Mérignies, Frankreich

Der Adel ist noch nicht tot in Frankreich. In Mérignies in der Nähe von Lille unterhält eine alte Familie einen 9 Hektar großen Sommersitz. Ein paar Mal im Jahr verbringen Teile der Stammeslinie hier ihren Urlaub, abseits von den großen Straßen, geschützt von Mauern und Hecken um das Gelände. Den Rest des Jahres arbeitet und residiert hier seit 20 Jahren die Gärtnerin Nathalie. Sie ist zuständig für die Instandshaltung, die Tiere auf dem Gelände und alle anderen täglichen Arbeiten, die sonst noch anfallen.

Auch auf diesem scheinbar isolierten Gelände spielt die Europäische Union eine große Rolle und sieht dabei gar nicht gut aus. Nathalie beschwert sich über die zu große Kontrolle durch die EU, über den Normungswahnsinn und über die Agrarpolitik.

Für jeden Hecken- oder Baumschnitt braucht sie eine Genehmigung vom Amt, ärgert sich Nathalie. Sie beschwert sich über die langsame Bürokratie: Bis sie die Bestätigung erhält vergehen jedes Mal 5 Tage. Früher brauchte sie keine Genehmigung und schützen muss sie sich ohnehin am Ende selber.

Außerdem wird ihrer Meinung nach durch die Normung der EU die Vielfalt in der Nahrungsproduktion kaputt reguliert. Das treffe insbesondere die kleinen Leute. Ein befreundeter Landwirt von ihr musste aufgrund der eingeführten EU-Normen seinen Betrieb zu machen, da die Umstellungen seiner Geräte nicht bezahlbar gewesen wären. Das macht sie traurig, da dieser Landwirt früher leckere Crême Fraîche, Käse und Butter direkt um die Ecke hergestellt hat. „Und alles ökologisch! Quasi bio!“, betont sie.

Da Nathalie den ganzen Tag draußen arbeitet, tierlieb und naturverbunden ist, beobachtet sie mit Sorge das Insektensterben. Früher waren auf dem von ihr gepflegten Gelände viel mehr und unterschiedliche Insekten unterwegs, ist sie sich sicher. Schuldig ist ihrer Meinung nach die Agrarpolitik der EU. Diese trägt dazu bei, dass die umliegenden Bauern Monokulturen betreiben und somit verschiedenen Bienen-und Wespenarten die Lebensgrundlage nehmen.

Mit viel Wut im Bauch möchte sie sich nicht als ausschließliche Pro-Europäerin aussprechen, obwohl sie die offenen Grenzen schätzt und meint, dass der Grundgedanke der Gemeinschaft und Solidarität richtig ist. Sie sieht sich zwischen Befürwortern und Gegnern der Union.

An diesem Punkt greift ihre 17-jährige Tochter in das Gespräch ein. Das vereinigte Europa steht für den Frieden, für die Einheit in Vielfalt und für grenzenüberschreitende Solidarität zwischen den Ländern. Volkswirtschaftlich könnten die Länder der Union alleine nicht international mitverhandeln. Gemeinsam sind die europäischen Staaten wirtschaftlich wie auch politisch stärker.

Natürlich ist sie Pro-Europäerin!

 

 

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